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Einen genauen Termin für die erste Herstellung von Whisky kann man nicht nennen. Auch die genaue Herkunft ist ungeklärt. So nehmen sowohl die Schotten,
als auch die Iren dieses Privileg für sich in Anspruch. Sicher ist dagegen wohl, dass es christliche Mönche waren, die zur Missionierung in das Land der
Kelten kamen und die Kunst der Destillation mitbrachten. Das war im fünften bzw. sechsten Jahrhundert n. Chr.. Neben allerlei Arzneien diente auch das
klare Destillat, das als "Aqua vitae", also Lebenswasser, bezeichnet wurde medizinischen Zwecken. Der keltische Begriff dafür lautete
"Uisghe beatha". Bald schon wurde der Whisky nicht mehr nur medizinischen Zwecken zugeführt und mit dem Aufkommen der ersten Klöster erreichte er
im siebten Jahrhundert in Irland seine erste Blütezeit. Auch in Schottland fand er zunehmend Verbreitung.
Im 12. Jahrhundert nahm der englische Einfluss auf Irland und Schottland zu und da sich die Engländer mit der gälischen Aussprache schwer taten, wurde aus
"uisghe" allmählich der Begriff "Whisky". Da die englischen Soldaten den Whisky schätzen lernten, nahmen sie ihn mit in ihre Heimat. Der
erste urkundliche Beweis für die Herstellung von Whisky in Schottland findet sich 1494. Darin wurden dem Mönch John Cor acht Bollen (je ca. 150 kg) Malz zur
Herstellung von "Aqua Vitae" zugestanden. Im Gegensatz zu den Iren befeuerten die Schotten ihre Brennöfen aber nicht mit Kohle, sondern mit Torf,
was zu einem charakteristischen, rauchigen Geschmack führte. Außerdem bevorzugten die Schotten die zweifache Destillation, während die Iren auf eine dreifache
schworen. So schaffte es der robuste schottische Whisky, im Gegensatz zum leichteren irischen Whiskey, zunächst kaum über die Landesgrenzen hinaus. In den
Highlands wurde er, häufig mit Kräutern oder Honig versetzt, aber bald zum Nationalgetränk.
Bis zum 17. Jahrhundert wurde der Whisky überwiegend in den Klöstern hergestellt. Mit der Auflösung der Klöster um 1650 begann die Zeit der kleinen
Hausbrennereien und es wurden die ersten größeren Destillerien errichtet. Eine Branntweinsteuer wurde nun festgesetzt, was zu größeren Aufständen führte. In
Irland erhielt 1644 die Destillerie "Old Bushmills", die 1608 gegründet wurde, die erste Brennereilizenz. Die älteste, urkundlich belegte, schottische
Destillerie war "Ferintosh". Sie wurde 1690 erstmals erwähnt. Ihr Eigentümer war Duncan Forbes of Culloden. Leider ist ihr genauer Standort heute nicht
mehr bekannt. Zu dieser Zeit überwogen aber bei weitem die illegalen Brennereien um den hohen Steuern zu entgehen. So verdankt z.B. die Speyside ihre
Whiskytradition der Tatsache, dass die Region damals schwer zugänglich war und sich für Schwarzbrenner viele Versteckmöglichkeiten boten.
Da die Regierung dieser unübersichtlichen Situation nicht Herr wurde, kam es 1823 zu einer Generalamnestie und es wurde eine Zulassungsgebühr von 10 Pfund je
Brennblase und eine Abgabe von 3 Pence je Gallone Alkohol erhoben. Alle Brennblasen mit weniger als 40 Gallonen Fassungsvermögen wurden verboten, um das Problem
mit den kleinen Hausbrennereien zu beseitigen. Der erste, der noch im gleichen Jahr eine Brennereilizenz erwarb, war der bekannte Schwarzbrenner "George
Grant", Gründer der Destillerie " The Glenlivet". Er hatte zunächst wegen seiner aufgebrachten Kollegen um Leib und Leben zu fürchten. Noch heute
hängen bei Glenlivet die beiden Pistolen an der Wand, mit denen er sich damals verteidigen musste. Doch schon bald setzten sich die Lizenzen durch und von den zu
Anfang des 19. Jahrhunderts geschätzten 14.000 illegalen Betrieben waren 1874 nur noch ganze sechs übrig.
Im 19. Jahrhundert sorgten der Schotte "Robert Stein" und der Ire "Aeneas Coffey" zu einem weiteren Meilenstein in der Whiskygeschichte. Stein
erfand einen neuen Destillationsapparat, den "Patent Still", Coffey perfektionierte ihn. Der Hauptvorteil der neuen Anlagen gegenüber den bis dahin
verwendeten "Pot Stills" war, dass man kontinuierlich Whisky brennen konnte, was den Ausstoß erheblich erhöhte. Außerdem konnte man ein Gemisch aus
gemälzter und ungemälzter Gerste und anderen Getreidearten verarbeiten. Doch während die Iren an ihrer Tradition der Whiskeyherstellung festhielten, wurde das
Verfahren in Schottland genutzt. Der Whisky aus den "Coffey Stills" war allerdings recht scharf und nicht von besonders hoher Qualität. Das änderte sich
aber, nachdem man diesen Whisky mit dem traditionell hergestellten vermischte. Der "Blended Whisky" war geboren. Da dieser Whisky viel billiger zu
produzieren war als der traditionelle, kippte die irische Vorherschafft. Zwei Namen sind in diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert. "Sir Andrew
Usher" gilt als der Erfinder des Blending und "Lord John Dewar" begründete mit seinem "White Label" die erste Handelsmarke. Er war auch
der erste, der Whisky in Flaschen abfüllte und so nicht nur Großhändler und Pubs, sondern auch Endkunden direkt beliefern konnte. Bis dahin wurde der Whisky in
kleinen Fässern oder größeren Steinkrügen abgefüllt.
Aber auch ein anderes Ereignis half der raschen Verbreitung des Blends. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus Amerika die Reblaus nach Frankreich
eingeschleppt und verbreitete sich zügig über ganz Europa. Die Weinproduktion und somit auch die des Cognacs kamen dadurch fast vollständig zum Zusammenbruch. Der
Whisky eroberte zunächst England und wurde bald in ganz Europa zum Verkaufserfolg. Und auch der Export in die USA boomte. Destillerien in Irland und Schottland
schossen wie Pilze aus dem Boden. Doch jedem Boom folgt irgendwann die Ernüchterung.
In den 1890er Jahren fand in Schottland der Whisky Crash statt. Ausgelöst wurde er durch den Zusammenbruch der Firma "Pattison, Elder & Co." und führte zur
großen Krise in der schottischen Whiskyindustrie. Viele Destillerien mussten schließen und es dauerte Jahre bis sich die Industrie von diesem Crash erholte.
Anfang des 20. Jahrhunderts stritten sich die Hersteller von Malt-, Blend- und Grain- Whisky darüber, was sich denn eigentlich "Scotch Whisky" nennen
durfte. Daher wurde im Februar 1908 eine königliche Kommission zur Definition des Begriffes Whisky eingesetzt. Im Juli 1909 entschied diese Kommission, dass
jeder Malt, Grain oder Blend sich Scotch Whisky nennen darf, egal wie viel Prozent Malt in ihm enthalten ist. Folgendes wurde außerdem beschlossen: der Whisky muss
in Schottland destilliert werden und, ausschließlich in Eichenfässern, mindestens drei Jahre reifen. Die Fässer dürfen nicht mehr als 700 Liter Inhalt haben. Der
abgefüllte Whisky muss einen Alkoholgehalt von mindestens 40 Vol.% aufweisen. Die Altersangabe verwendet sich auf den jüngsten verwendeten Whisky. Diese
gesetzlichen Regelungen gelten bis zum heutigen Tage.
Den nächsten Einbruch gab es dann durch den 1. Weltkrieg, als die komplette Produktion zeitweise eingestellt wurde. Viele Brennereien gingen dadurch zu Grunde.
Für die irische Whiskyindustrie kam der nächste Schlag mit dem irischen Unabhängigkeitskampf gegen England (1916) und dem
darauf folgenden Bürgerkrieg (1919-1921).
Der daraus resultierende Verlust des britischen Marktes inklusive des Commonwealth (Kanada, Australien, Südafrika etc.) hatte ruinöse Folgen für die gesamte
irische Wirtschaft.
1920 folgte dann mit der Prohibition in den USA die nächste Krise. Doch während die schottische Whiskyindustrie durch Schmuggelgeschäfte diese Krise überwand,
bedeutete sie für die irische den vollständigen Zusammenbruch, von dem sie sich nicht mehr erholte. Im Dezember 1933 endete die Prohibition. Die geschwächte
irische Whiskeyindustrie war nicht mehr in der Lage, für schnellen Nachschub zu sorgen. So konnten sich die Schotten diesen wichtigen Markt sichern und ihre
Vormachtstellung ausbauen.
Den letzten großen Einbruch der Whiskyindustrie brachte dann der zweite Weltkrieg. Bis 1942 wurde die Produktion immer stärker gedrosselt und 1943/44 wurde sie
dann komplett eingestellt. Aber durch ausreichende Lagerbestände ging auch diese Krise vorüber. Viele Betriebe nahmen die Produktion wieder auf und einige neue
wurden gegründet. Ende der 1950er Jahre konnte die Nachfrage dann wieder voll erfüllt werden.
1963 entschloss sich die Firma William Grant & Sons ihren Glenfiddich weltweit als Single Malt zu verkaufen. Der große Erfolg führte dazu, dass nun auch
andere Maltbrennereien einen Teil ihrer Produktion wieder unverschnitten auf den Markt brachten. Dank dieser Tat haben wir Maltliebhaber heute eine nahezu
unüberschaubare Vielfalt an Single Malts zur Auswahl.
Das Geschäft mit dem Blended Whisky macht heute weiterhin einen Marktanteil von mehr als 90 % und damit den Löwenanteil des Whiskymarktes aus. Aber zunehmend
erobert sich der Single Malt Whisky wieder seinen kleinen aber feinen Anteil zurück. Durch zunehmende Konzentration auf Großkonzerne im weltweiten Getränkemarkt
steht allerdings zu befürchten, dass sich die Anzahl der produzierenden Betriebe wohl verringern wird. Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, was uns die
Zukunft noch bringt.
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